Mit den Möglichkeiten des Internets kann Lernen überall stattfinden. Solches informell erworbenes Wissen wird wichtiger Bestandteil des Kompetenzprofils: Wie gehen wir mit einer hochkomplexen Wissenswelt um, in der es keine eindeutigen Qualifikationen des Wissens mehr gibt?
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Anerkennung von informellen Bildungsleistungen

Fritz Wüthrich
161 days ago

Formale Bildung kann leicht nachgewiesen werden, sie wird in der Regel durch eine Behörde zertifiziert.
Bei der nicht-formalen Bildung (Weiterbildung, Kurse, Tagungen usw.) ist die Situation schon differenzierter. Aber auch sie wird oft zertfiziert und kann gegenüber weiteren Bildungsinstitutionen und Arbeitgebern nachgewiesen werden.
Beim informellen Lernen ist die Situation grundlegend anders: Zertfikate und Nachweise fehlen meistens. Dabei stellt gerade diese Form des Wissenswerbs eine wertvolle und ökonomisch ins Gewicht fallende Ressource dar. Arbeitgeber müssten ein Interesse daran haben, zu wissen, was die Leute in dieser Beziehung mitbringen, und in der weiteren Bildung könnten Kosten eingespart werden, wenn solche Bildungsleistungen anerkannt werden könnten. Damit könnten Leute z.B. von einzelnen Bildungsveranstaltungen teilweise oder ganz dispensiert werden.
Wie liesse sich solcherart erworbenes Wissen nutzbringend ins formale Bildungssystem einbringen oder auf dem Arbeitsmarkt nachweisen?
Wäre das persönliche Bildungsportfolio ein Weg? Wie könnte die Qualität des Wissens und die Richtigkeit der Angaben überprüft werden?
Welche Instanzen könnten allenfalls diese Leistungen anerkennen und wie?
Ich weise nochmals auf die Zusammenfassungen des OECD-Berichts hin (in d und f), die dazu interessante Aussagen machen. Beide Versionen sind bei den "Group files" zu finden.

Ich freue mich auf einen interessanten Gedankenaustausch zum Abschluss unserer Diskussion.

Fritz Wüthrich

Yvonne Buettner
155 days ago

Lieber Fritz

Ein guter Anfang ist sicher das Führen eines persönlichen Portfolios und anschliessend die Selbst-Evaluation oder eine Fremd-Evaluation. Das wären die ersten beiden Schritte, wie im OECD-Bericht beschrieben.

Ich frage mich, ob die weiteren Schritte zu einer offiziellen Zertifizierung notwendig sind? Die Eignung für einen Arbeitsplatz kann erst festgestellt werden, wenn die Person die Arbeit aufgenommen hat. Dann erst erweist es sich, ob die Person fähig ist, ihr informell erworbenes Wissen situationsgerecht anzuwenden. Das kann man kaum messen oder prüfen.

Das "Zertifikat" wäre somit das Arbeitszeugnis. Vielleicht müssen wir das Thema "Arbeitszeugnis" neu denken. Damit könnten die Kosten gering gehalten werden und der Nutzen wäre gross.

Was meint Ihr dazu?

Liebe Grüsse, Yvonne

 

Fritz Wüthrich
153 days ago

Liebe Yvonne

Du nimmst Bezug auf die Zusammenfassung des OECD-Berichts. Die OECD nennt ja fünf Etappen, man könnte eigentlich auch sagen Stufen (S. 8):

1. Das Festhalten der Kenntnisse und Fähigkeiten durch das Individuum selbst (Portfolio).
2. Eine Auto- oder Fremdevaluation der Kenntnisse und Fähigkeiten.
3. Das Messen der Kenntnisse und Fähigkeiten an bestimmten Anforderungen oder Normen durch einen Dritten (Validierung). Der Dritte könnte hier wahrscheinlich der Arbeitgeber oder eine Aus- bzw. Weiterbildungsinstitution sein.
4. Das Messen der Kenntnisse und Fähigkeiten an bestimmten Kriterien, verbunden mit einer entsprechenden Attestierung durch eine akkreditierte Instanz (Zertifizierung).
5. Die Anerkennung der Kenntnisse und Fähigkeiten  bzw. der Dokumente, die diese bescheinigen, durch die Gesellschaft als gleichwertig zu solchen, die im formellen Ausbildungssystem erworben wurden.

Der Knackpunkt ist vor allem die vierte Etappe. Sie ist unerlässlich, wenn die informellen Ausbildungsteile als gleichwertig anerkannt werden sollen. Dazu müssten jedoch akkreditierte Stellen geschaffen und finanziert werden.

Ich bin mit dir einverstanden, dass in vielen Fällen jedoch die ersten drei Etappen durchaus genügen, im Sinne des von dir erwähnten Arbeitszeugnisses.

Was meinen andere Leute dazu?

Fritz Wüthrich